Ich will nicht mehr

Keine Angst, "Ich will nicht mehr" ist kein Abschiedsbrief. Kein Ende, sondern - zumindest für mich - ein neuer Anfang. In den letzten Wochen und Monaten habe ich über Produktivität und das Erreichen von Zielen geschrieben. Heute möchte einmal etwas persönlicher werden und Dir einen Einblick in eines meiner Ziele geben.

Dabei musst Du wissen, Freiheit ist für mich extrem wichtig.

 

Dazu ein kurzer Ausritt in die Vergangenheit

Noch vor 10 Jahren besaß ich ein Haus mit ca. 350 qm Fläche, nach der Trennung von meinem damaligen Mann zog ich in eine Potsdamer Wohnung mit 100 qm und ohne Keller. Ehrlich gesagt, weiss ich nicht mehr genau, wie ich alles untergebracht habe. Einiges hatte ich aber eine Weile bei meinen Eltern untergestellt.

Einige Jahre später zog ich in eine kleinere Wohnung mit nur 70qm. Hier hatte ich wenigstens eine kleine Abstellkammer. Vor fast genau 3 Jahren zog ich mit meinem lieben Fast-Mann Michael in unsere erste gemeinsame Wohnung in Berlin-Dahlem. Hier teilen wir uns nun knapp 90 qm - für mich also rechnerisch nur noch 45 qm Fläche für meine Habseligkeiten.

Ich will nicht mehr - Minimalismus extrem.

 

Ich will nicht mehr so viel

Als wir damals hier unsere Kisten abstellten, trafen zwei vollausgestattete Haushalte aufeinander. Wir hatten alles doppelt, teilweise sogar 3-fach - wie unsere Knoblauchpressen. Da der Mann Zahnarzt ist und nur äusserst selten Knoblauch isst, flogen alle 3 Pressen weg. Nach und nach sortierten wir aus, verkauften und verschenkten die überflüssigen Dinge. Obwohl unsere Wohnung nun klar und ordentlich ist, gibt es immer noch Spielraum für Reduzierung.

Und damit genug der Vorrede.

Ich lese seit Jahren Bücher zum Thema Minimalismus, Aufräumen und reduziertem Lebensstil. Ich empfinde beim Lesen ein Gefühl von der Sehnsucht nach Freiheit und Ungebundenheit. Meine Erkenntnis nach all den Erfahrungen - Besitz bindet.

Als ich nun vor kurzem 3 herrliche Wochen auf der Yacht meiner Eltern verbrachte, hatte ich nur 15 Kilo Gepäck dabei. Und als mir bewußt wurde, wie wenig ich wirklich brauche, dass ich also mit dem Inhalt einer mittelgroßen Reisetasche 3 Wochen auskomme (und sicher auch noch länger ausgekommen wäre), hat mich das meinem Reduktionsgedanken wieder ein Stück näher gebracht.

Mir gefiel die Vorstellung immer mehr, nur noch das zu besitzen, was ich wirklich brauche und das befand sich in meiner Reisetasche. Faszinierend.

Es entwickelte sich für mich ein Wunsch, der zu einem Ziel wurde und ich hab das Glück, das der Mann die Idee vom reduzierten Besitz genauso interessant fand und findet, wie ich.

 

Wie sieht also mein Ziel aus?

Ich möchte nur noch soviel besitzen, wie in zwei große Koffer passt. Ich will nicht mehr. Mit zwei Koffern kann ich leicht umziehen und reisen. Die Koffer werden also die Schablone für meinen Besitz sein. Was nicht reinpasst, muss weg.

Diesen Zustand möchte ich, bzw. möchten wir bis Ende 2018 erreicht haben. Jeder zwei Koffer - sonst nix.

Das wichtigste bei einem solchen radikalen Vorhaben, ist meiner Ansicht nach das Mindset. Das "haben-wollen" muss weichen. Ich sehe das als Prozess. Denn natürlich liebe ich Möbel, Klamotten und Deko. Aber ab sofort will ich nicht mehr Kerzen und Servietten, kein Schnick-Schnack - meine ganz persönliche Challenge.

 

Ich will nicht mehr mehr.

Mehr haben zu wollen und immer das neuste Gadget in der Tasche ist ein gesellschaftlicher Trend, bei dem ich ganz in der ersten Reihe marschiert bin. Meine Freunde wussten, wenn es etwas Neues von Apple gab, war klar, dass ich die Erste war, die es hatte. Apple hatte eine unbändige Anziehungskraft auf mich, Steve hatte mich am Haken.
Mit dem Thema bin ich schon auf einem ganz guten Weg. Ich bin ruhiger geworden, genügsamer und vernünftiger.

Nähen mit der Nähmaschine war mal mein geliebtes Hobby, ein Hobby mit viel Volumen. Taschen voller schwerer Stoffe füllten meine Schränke. Anfang des Jahres machte ich einen für mich großen Schritt und gab die gesamte Ausstattung meiner lieben Stieftochter Nele, die hoffentlich damit bald Großes vollbringt.

 

Ich will nicht mehr shoppen.

Auch Möbel, Deko und Klamotten habe ich in großem Stil eingekauft. Ich war der Meinung, es würde mich glücklich machen.

Bei einem Anflug von Lust auf Shopping, denke ich nun an die zwei Koffer und der Fall ist erledigt.

Die Entscheidung tatsächlich etwas Notwendiges zu kaufen - Geld gegen ein Produkt zu tauschen - findet nun schon sehr viel bewusster statt. Ich will ja nicht meine Sachen weggeben, um neu zu kaufen. Ich will nicht mehr. Also denke ich immer schön an die zwei Koffer.

 

Ich will nicht mehr sammeln.

In den letzten 3 Jahren habe ich schon sehr viel bei eBay und eBay Kleinanzeigen verkauft und viele Leute glücklich gemacht. Jetzt starte ich in die nächste Runde. Ich besitze beispielsweise viele Stempel und entsprechendes Zubehör, wie einen Heissluftföhn, mit dem man 3D-Effekte zaubern kann. Eigentlich cool, aber so richtig Zeit für solche Dinge hatte ich nie. Also weg damit.

Ein weiterer größerer Posten ist auch meine Weihnachts-Deko, tausende Kugeln und Schnick-Schnack, die zum kommenden Weihnachtsfest eine neue Besitzerin haben wird.

Bücher habe ich letztes Jahr schon einmal aussortiert, aber auch hier starte ich eine neue Runde und verkaufe unsere Bücher an momox. Wenn wir neue Bücher kaufen, kaufen wir sie - wenn möglich - als eBooks. Ich habe hunderte Bücher auf meinem iPad und kann jeder Zeit darauf zugreifen. Auch unterwegs ein unschlagbarer Vorteil.

 

Ich will nicht mehr haben

Ich besitze seit 2009 kein eigenes Auto mehr. Was damals eine finanzielle Entscheidung war, ist heute eine logische Schlussfolgerung. Was ich nicht permanent brauche, kann ich bei Bedarf leihen. Autos, Fahrräder, Boote, Häuser - alles kann ich leihen und nutzen, solange ich mag. Ich habe keine dauerhaften Verpflichtungen und auch keine laufenden Kosten. Echt perfekt.

 

Ich will nicht mehr lokal sein.

Aber was soll das jetzt mit den zwei Koffern, fragst Du jetzt vielleicht. - Gute Frage.

Den Traum, Deutschland zu verlassen - zumindest zeitweise - hatte ich schon Anfang 20. Der Hintergrund dieser extremen Reduzierung meines Besitzes ist Mobilität und Flexibilität. Ich möchte überall hinreisen können. Die nächsten Jahre bleibe ich aber noch in der Nähe. Ich stelle mir aber vor, keine normale Mietwohnung mehr zu haben, sondern in möblierten Appartments zu wohnen.

Mit nur zwei Koffern kann ich sein, wo immer ich sein will. Ich bin Freelancer und liebe die Freiheit. Ich muss weg können, wenn ich es will. Und diese Möglichkeit will ich mir und uns schaffen.

Ich bin gespannt auf dieses Abenteuer und habe beschlossen, hier auf meinem Blog diesen Prozess zu begleiten und zu dokumentieren und Dich daran teilhaben zulassen.

Liebe Grüße, 
Karen