Das 3-Konten-Modell für Freelancer

Als ich mich vor über 16 Jahren für den freiberuflichen Weg entschieden habe, hatte ich von nichts Ahnung. Fachlich natürlich, aber was man als Freelancer sonst noch wissen muss — nichts. 
Ich wusste nur, ich mach’ das jetzt und ich schaffe das. Motivation ist alles. Haha. Die ersten Aufträge hatte ich auch bald in der Tasche und freute mich nach Fertigstellung und Bezahlung über mein erstes selbstständig verdientes Geld. Das war verdammt cool! Ich war echt in Feier-Laune!

 

Ich bekam weitere Aufträge, das Geld kam relativ regelmäßig, also ließ ich es mir gut gehen - sehr gut!
Wie gesagt, ich hatte keine Ahnung.

 
Das 3-Konten-Modell für Freelancer
 

Damals kam nach über einem Jahr Selbstständigkeit das böse Erwachen. Ich sollte Vorsteuer und Einkommenssteuer zahlen. Puh, ehm … wie jetzt?

Zuvor hatte ich meine Belege immer ordentlich abgeheftet ins Steuerbüro gegeben - zur Buchführung - soviel wusste ich. Aber ich wusste sonst nichts von Steuern, ich hatte mich nicht informiert. Und ich hatte nichts zurückgelegt. Aber das Finanzamt ist unerbittlich und will das Geld immer sofort. Also musste ich es mir borgen. So blöd und peinlich! 

Damals hab ich mir eine blutige Nase geholt, aber seitdem weiss ich auch, dass ich diese Schreck-Sekunde, wenn der Brief vom Finanzamt in der Post ist, nie mehr haben werde. 

Ich überlegte mir ein System, wie ich es vermeide, je wieder ohne Rücklagen dazustehen.

 

Dieses System - Das 3-Konten-Modell stelle ich Dir jetzt vor.

 

3-Konten-Modell für Freelancer

 

Das Geschäftskonto

Du hast sicher ein Geschäftskonto. Falls nicht, lege unbedingt eines an. Es ist absolut ratsam, die privaten Ausgaben von den geschäftlichen zu trennen und es erleichtert die Buchführung und den Überblick über alle geschäftlichen Vorgänge.

Wenn ein Auftraggeber eine Rechnung bezahlt, geht dieser Betrag auf Dein Geschäftskonto. Nach dem Zahlungseingang verteilst Du das Geld auf weitere Konten.

 

Das Vorsteuer-Konto

Die eingenommene Mehrwertsteuer überweist du auf Dein Vorsteuer-Konto. Dort werden ausschließlich die Mehrwertsteuer-Beträge gesammelt. Das Finanzamt verlangt die Zahlung der Vorsteuer entweder monatlich, quartalsweise oder jährlich. Das hängt von Deinem Umsatz ab. Dein Steuerberater kann Dich bei der Beantragung der gewünschten Zahlungsweise unterstützen.
Auf jeden Fall bist Du bestens vor Überraschungen geschützt, weil das Geld dort einfach auf die Zahlung wartet.

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Das Rücklagen-Konto

Einmal im Jahr ist die Zahlung der Einkommenssteuer für das Vorjahr fällig. Diesen Betrag solltest Du auch beiseite gelegt haben. Dein Steuerberater kann eine ungefähre Schätzung abgeben, wie hoch dieser Beitrag sein wird. Für diesen Fall empfehle ich einen Prozentsatz - beispielsweise 30% - vom Netto-Rechnungsbetrag auf dieses Konto zu überweisen.

 

 

Deine Geschäftsausgaben

Auf Deinem Geschäftskonto sind jetzt noch 51% vom ursprünglichen Rechnungsbetrag. Das könntest Du Dir jetzt entnehmen. Doch Vorsicht, Du hast ja auch noch geschäftliche Ausgaben. Büromiete, Telefon, Provider, Versicherungen und der Steuerberater muss auch noch bezahlt werden. Gehe Deine letzten Kontoauszüge durch und schreibe alle Ausgaben zusammen. Diesen Betrag (plus etwas Puffer für eventuelle Neuanschaffungen) solltest Du immer auf Deinem Geschäftskonto belassen.

 

Wie viel Geld kannst Du Dir privat entnehmen?

Du rechnest den absoluten Betrag der übrigen 51% des Rechnungsbetrags aus und ziehst den Betrag Deiner monatlichen geschäftlichen Fixkosten ab: Und schon weisst Du was Du jetzt verjubeln kannst! Hmm, nicht berauschend? Stimmt. 

Statt Champagner gibt es heute nur Tee.

 

Extra-Tipp

Für noch weniger Überraschungen vereinbare mit deinem Steuerberater die quartalsweise Buchführung und lass’ Dir von ihm erklären, was Du im nächsten Quartal besser machen könntest.

Ich hoffe, dass das 3-Konten-Modell Ordnung und Ruhe in deine Finanzen bringt.

 

Bis nächste Woche, 

 

Beispiel: Aufteilung der Einnahmen bei einem Zahlungseingang von 2000 EUR zzgl. MwSt.

 
Karen